Ausgabe März 2008

Kenia: Von der Wahlfälschung zum Bürgerkrieg

In Kenia hat sich die Lage auch zwei Monate nach der Präsidentschaftswahl Ende Dezember 2007 noch nicht beruhigt. Die Proteste der Anhänger Raila Odingas gegen die offenkundige Wahlfälschung, auf deren Basis sich Mwai Kibaki erneut als Präsident des Landes vereidigen ließ, reißen nicht ab. Mit großer Gewalt gehen die Sicherheitskräfte gegen die Opposition vor; Schätzungen zufolge wurden bei den Auseinandersetzungen bereits über 1000 Menschen getötet.

Was aber sind die tiefer liegenden Hintergründe der in den hiesigen Medien oft als „Stammeskrieg“ rezipierten Konfrontation? Um diese Frage zu beantworten, muss man über den medial dominanten „ethnischen Blick“ hinausgehen, der ausschließlich auf den ethnischen Kontext der aktuellen Kämpfe abstellt, und nach den Interessen und sozialen Gegensätzen fragen, die sich in Kenia seit der Kolonialzeit ausgebildet haben.

Hintergrund des Konflikts sind nämlich nicht zuletzt die Folgen der Etablierung des modernen Staates, die auch in Kenia nur ein anderes Wort für den Aufbau der britischen Kolonialherrschaft war. Zuvor hatte es hier, abgesehen von der Küstenregion, keine zentralisierte Staatlichkeit gegeben.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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