Ausgabe September 2008

Restauration statt Wandel

Das duale Bildungssystem in der Krise

Wenn es so etwas wie „nationale Gewissheiten“ gibt, so gehört in Deutschland der Glaube an zwei Institutionen dazu: das Gymnasium und die betriebliche Lehrlingsausbildung. Die beiden aufstrebenden Klassen des 19. Jahrhunderts, das städtische Bürgertum einerseits und die industrielle Arbeiterschaft andererseits, schufen sich mit und in diesen getrennten, gegeneinander abgeschotteten Bildungs- und Ausbildungswegen ihren jeweiligen Zugang zu Gesellschaft, Aufstieg und Anerkennung. Die eine Klasse setzte auf Bildung, Abitur und Studium, die andere – in der Tradition der deutschen Handwerkszünfte – auf Gesellenprüfung, Beruf und möglichst frühzeitige Integration in das Erwerbsleben.

Insbesondere im dualen Ausbildungssystem von Betrieb und Berufsschule sehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, vor allem ihre Interessenvertreter in den Kammern und den Gewerkschaften, bis heute ein Element des Erfolgsweges „made in Germany“. Das deutsche Berufsprinzip, der geordnete, gesetzlich geregelte Weg zum Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, steht nicht nur für fachliche Qualifikation und Kompetenz. Es spiegelt gesellschaftliche Anerkennung und ist ein Stück der persönlichen Identität, mit dem es gelingt, so die Grundannahme, Wechselfälle im Erwerbsleben „zu bewältigen und selbst in die Hand zu nehmen“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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