Ausgabe Januar 2009

Der Außergewöhnliche

Spätestens seit dem 4. November 2008 ist Enthusiasmus geradezu obligatorisch – über diesen, so scheint es, ersten politischen Superstar unseres Zeitalters. Gleichzeitig steigt die Spannung hin zum 20. Januar 2009, dem Tag des Amtsantritts, zu dem mit zwei bis drei Millionen Menschen die möglicherweise größte Massenversammlung aller Zeiten erwartet wird. Mit seinem in diesen finsteren Zeiten Mut machenden Zuruf „Yes, we can“ hat Barack Obama vielen hoffnungswilligen Menschen aus der Seele gesprochen – und mit seinem zweiten Buch1 sein Credo begründet. „The Audacity of Hope“, so der Titel, der den deutschen Leser an Kants Aufklärungsschrift erinnern darf: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Aber ist diese Hoffnungsbegeisterung auch nur halbwegs berechtigt? Oder ist die ganze Obamania nur ein flüchtiges, massenpsychologisches Phänomen, ihr Gegenstand ein PR-Produkt wie seinerzeit, was wir allerdings erst viel später erfuhren, John F. Kennedy? 2

Wir wissen es nicht, und Skepsis ist in solchen Fällen immer eine intellektuelle Tugend. Aber mit Skepsis allein ist ernsthaften Versuchen, Neues und Notwendiges zu beginnen, nicht gedient: Sie kann für die Hoffnung tödlich sein.

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In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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