Ausgabe Juni 2009

Unterwegs zu einer Diskurstheorie der Gerechtigkeit: Habermas und Rawls

Theorie und Praxis: Jürgen Habermas zum 80.

So offensichtlich es ist, dass man als junger Wissenschaftler eines Lehrers bedarf, von dem man viel lernen kann und der an den eigenen Bemühungen interessiert ist, so schwierig ist dies doch in der Praxis zu erreichen – und bleibt letztlich eine Gnade des Zufalls. Mir war ein solcher Lehrer in der Person von Jürgen Habermas vergönnt, und so denke ich sehr gerne an meine Zeit als Doktorand und Mitarbeiter in seiner „AG Rechtstheorie“ in den frühen 90er Jahren zurück. Für mich war die Mitgliedschaft in der Gruppe ein Paradies – und gelegentlich auch die Hölle: Paradies wegen der Teilhabe an dem Entstehen einer neuen, gewaltigen Theorie und der Inspiration durch Habermas und so geschätzte und avancierte Kolleginnen und Kollegen wie Ingeborg Maus, Klaus Günther, Bernhard Peters, Lutz Wingert und Günter Frankenberg neben vielen Gästen wie etwa Ronald Dworkin – und Hölle dann, wenn ich mich fragte, ob ich das Niveau der dortigen Diskussionen würde erreichen können.

Die Kraft von Habermas‘ einzigartigem Rezeptions- und Konstruktionsvermögen, das ich hier erleben durfte, war atemberaubend; ganze Kontinente der Rechts- und Demokratietheorie wurden durchreist, vermessen und neu geordnet – „Faktizität und Geltung“, das in dieser Zeit entstandene Werk, legt davon Zeugnis ab.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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