Ausgabe März 2010

Unser Obama-Problem

In der Februar-Ausgabe der „Blätter“ charakterisierte Norman Birnbaum den US-Präsidenten Barack Obama als „Gefangenen im Weißen Haus“. Welchen Anteil an der mageren Bilanz des ersten Amtsjahres aber haben die Europäer und die Deutschen?

Als Barack Obama vor einem Jahr sein Amt übernahm als der in der 250jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten wohl ungewöhnlichste, für die traditionsreiche politische Klasse untypischste und damit zugleich kontroverseste Präsident, da schien sich schlagartig das weltpolitische Klima zu verändern. Gefeiert und bejubelt wie der lang ersehnte Messias, wurde Obama sofort zu einer Projektionsfläche für Erwartungen und Ermutigungen – auch bei uns hier in Deutschland.

Ein Jahr später ist von den ungeheuren Hoffnungen nicht viel geblieben. Man wird kaum behaupten können, Obama habe sein Amt naiv angetreten, wenngleich er mit Sicherheit die enormen Problem der Übernahme einer völlig zugrunde gewirtschafteten Innen-und Außenpolitik unterschätzt hat – zwangsläufig, denn sie realistisch einzuschätzen hätte bedeutet, das Handtuch zu werfen, ehe er mit den Regierungsgeschäften überhaupt anfangen konnte. Aber das ist nicht unser, sondern sein Problem als ehrgeiziger Profi des politischen Geschäfts.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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