Ausgabe Juli 2010

Vom Klassenkampf zum Korporatismus

Gewerkschaften im Rheinischen Kapitalismus a. D.

Mit Kurswechsel aus der Krise“ überschrieb der gewerkschaftliche Info-Service „Einblick“ einen Bericht über die gesellschaftspolitische Diskussion auf dem DGB-Bundeskongress, der Mitte Mai in Berlin stattfand. Als Aufhänger diente ein programmatischer Beitrag des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber, den er kurz zuvor unter dem Titel „Kurswechsel für Deutschland“ als Buch veröffentlicht hatte. In ihm geht es um die Regulierung der Finanzmärkte und die Stärkung des Sozialstaats, in Hubers Worten: um eine Wirtschaftsordnung, die „demokratisch, fair, sozial und ökologisch nachhaltig ist“.[1] Huber spricht vom Kurswechsel, nicht vom Systemwechsel. Sein nachdrückliches Plädoyer für eine Abkehr von den Doktrinen neoliberaler und finanzmarktgetriebener Wirtschaft verbindet sich mit einem gewerkschaftlichen Pragmatismus, der durch Reformen eine „demokratische, ökologische und nachhaltige Wirtschaftsordnung“ anstrebt. Damit formuliert der IGM-Vorsitzende ein Desiderat, das die Diskussion über die Neudefinition der sozialen Marktwirtschaft durchaus bereichern kann.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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