Ausgabe September 2010

Gerechter Friede statt Gerechter Krieg

Die Lehre der letzten Dekade

Bilanziert man die erste Dekade des 21. Jahrhunderts unter friedenspolitischen Gesichtspunkten, kommt man zu einem höchst ambivalenten Ergebnis. Einerseits hat im Gefolge des 11. September 2001 und des von George W. Bush ausgerufenen „Krieges gegen den Terror“ die Theorie des „gerechten Krieges“ eine erstaunliche Renaissance erlebt. Der liberale amerikanische Sozialphilosoph Michael Walzer diagnostizierte zwischenzeitlich gar den Sieg der von ihm schon lange vertretenen „Lehre vom gerechten Krieg“. Andererseits hat das Scheitern der jüngsten militärischen Interventionen, von Irak bis nach Afghanistan, die Untauglichkeit dieses Konzeptes brutal aufgezeigt. Umso mehr, so das Ergebnis der vergangenen Dekade, kommt es darauf an, nicht-militärische Alternativen zu bedenken und mit der Theorie des „gerechten Friedens“ ein friedenspolitisches Gegenkonzept zu etablieren.

Die Frage zu beantworten, was konkret friedenspolitisch zu tun sei, ist Aufgabe der Wissenschaften, nicht zuletzt natürlich der Friedens- und Konfliktforschung; aber es ist auch die Aufgabe von Organisationen und Institutionen wie den Kirchen, deren Botschaft in Gesellschaft und Politik oft weit mehr gehört wird als die detaillierte Expertise einzelner Wissenschaften.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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