Ausgabe April 2011

Transfer und Revolte

Die EU und das Stabilitäts-Demokratie-Dilemma

Die Europäische Union hat zurzeit viele Probleme, darunter jedoch zwei besonders markante: die internationale Finanzkrise und die Revolten in Nordafrika. Beides scheint auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Entwicklung der EU zu einer Transferunion könnte durch die politische Instabilität ihrer südlichen Peripherie entscheidend gefördert werden.

Üblicherweise gilt es als ausgemacht, dass die nationalen Wohlfahrtsstaaten in der EU kaum noch eine Zukunft haben. Tatsächlich war die europäische Integration von ihren Anfängen an ein primär ökonomisches Projekt. Im Kern ging es immer schon darum, großräumige Märkte mit möglichst wenig Markthindernissen und einheitlichen Marktregeln zu schaffen. Aber die EU war nie ausschließlich als ökonomisches Projekt angelegt, und sie hat sich mit zunehmend vertiefter Integration weit über ein solches hinaus entwickelt.

Wer hätte sich vor 20 Jahren eine europäische Währung oder eine europäische Grenzschutzagentur vorstellen können? Warum also nicht auch eine europäische Sozialpolitik? Es könnte ja sein – so ein hoffnungsvolleres Szenario –, dass der nationale Wohlfahrtsstaat zwar abstirbt, aber eine europäische Sozialpolitik an seine Stelle tritt.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.