Ausgabe April 2011

Grüne Insel, blaue Revolution?

Deutlicher hätte der Urnengang wohl kaum ausgehen können: Die bisherige irische Regierungspartei Fianna Fáil des scheidenden Premierministers Brian Cowen wurde wegen ihres Versagens in der Finanzkrise bei der Parlamentswahl am 25. Februar schwer abgestraft. Sie verlor mehr als die Hälfte ihrer Wählerschaft und kam auf nur noch 17,4 Prozent der abgegebenen Stimmen, von ihren 77 Mandaten im Dubliner Unterhaus konnten die „Soldaten des Schicksals“ nur 20 verteidigen. Der Koalitionspartner – die Grüne Partei, die kurz vor der Wahl die Koalition aufgekündigt hatte – büßte alle sechs Sitze ein und wird künftig nicht mehr im Dáil Éireann vertreten sein. Dagegen gewann die rechtskonservative Fine Gael unter dem neuen Ministerpräsidenten Enda Kenny 36,1 Prozent der Stimmen sowie 76 der 166 Sitze und wurde wie erwartet stärkste Kraft im neuen Parlament. Die Labour Party wurde mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte – 19,4 Prozent der Stimmen und 37 Abgeordnete – zweitstärkste Fraktion. Zuwächse verbuchten ferner auch die links-nationale Sinn Féin unter Gerry Adams mit jetzt 9,9 Prozent der Stimmen und 14 Sitzen sowie die neu angetretene Vereinigte Linke Allianz mit 2,6 Prozent der Stimmen und fünf Sitzen.

Fine Gael fehlen damit nur acht Sitze zur absoluten Mehrheit.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.