Ausgabe November 2012

Die neue Bildungskatastrophe

Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen

Auch in diesem Jahr werden viele Studierende und Lehrende eher seufzend in das Wintersemester gestartet sein: Seit Jahren steht an den Universitäten eine rapide steigende Zahl Studierender einer sinkenden Anzahl von Dozentinnen und Dozenten gegenüber. Die Folge sind überfüllte Hörsäle und eine schlechte Betreuung der Studierenden, obwohl gerade letztere im Zuge der Bachelor-Reform eigentlich verbessert werden sollte.

Der Grund dafür ist die massive Unterfinanzierung der großen Mehrzahl der deutschen Universitäten, was sich vor allem in einer zu geringen Anzahl an Hochschullehrerinnen und -lehrern niederschlägt: „In absurder Art und Weise wird seit dem Ausbau zur Massenuniversität geleugnet, dass Wissenschaft ein Beruf ist“, beschreibt der Germanist Remigius Bunia die fatale Situation.[1] Das zentrale Problem der deutschen Universitäten besteht in der mangelhaften Anerkennung der Lehre. Tatsächlich wurde die Anzahl der Professoren und Lehrenden nicht im Entferntesten dem neuen Bedarf entsprechend angehoben, seit die Universitäten in den 1970er Jahren zu „Volksuniversitäten“ umstrukturiert worden sind. Im Gegenteil: Seit Mitte der 1990er Jahre baute man Personal ab. Nichtsdestotrotz empfehlen Politik und Wissenschaftsrat ungerührt, dass sich die Universitäten mit Nachwuchsförderprogrammen ein besonderes Profil erarbeiten sollen.

November 2012

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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