Ausgabe April 2013

Enthüllung und Legende: Kofi Annan

Bild: DVA

Zu Beginn der 1990er Jahre, ja selbst als er 1993 zum Chef der Abteilung für „Peacekeeping Operations“ ernannt wurde, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass der unscheinbare Kofi Annan 1996 zum Chef der Vereinten Nationen aufsteigen würde. Tatsächlich kann Annans rasanter Aufstieg nur vor dem Hintergrund amerikanischer Machtausübung verstanden werden. Sein Vorgänger im Amt, Boutros Boutros-Ghali, schien der Clinton-Regierung zu unabhängig, und so beschloss man kurzerhand, seine Wiederwahl per Veto im Sicherheitsrat zu blockieren. Annan hatte es unterdessen geschickt verstanden, mit der damaligen amerikanischen UN-Botschafterin Madeleine Albright eine hervorragende Arbeitsbeziehung aufzubauen. Und den widerspenstigen Franzosen fehlte letztendlich eine glaubwürdige Alternative zu Annan. Der Rest ist UN-Geschichte.

Soeben ist die Autobiographie Annans erschienen. Der englische Titel des Buches, „Interventions“, soll offenbar das Leitmotiv seiner Amtszeit wiedergeben. Als Befürworter einer aktiven Weltorganisation propagierte Annan das Prinzip des multilateralen Eingreifens, zum Schutz der Menschenrechte oder der Aids-Bekämpfung. Annan spricht von einem moralischen und strategischen Imperativ und begrüßt auch den während seiner Amtszeit geprägten und zu Recht umstrittenen Begriff der „Responsibility to Protect“ (R2P).

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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