Ausgabe April 2013

Die Explosion der Ungleichheit

Ein Problem von Macht und Herrschaft

Bild: kallejipp / photocase.com

Simon Kuznets, ein Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaft, hat in umfassenden Untersuchungen den Nachweis geliefert,[1] dass in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg die soziale Ungleichheit in den hochentwickelten westlichen Ländern deutlich abgenommen hat, nachdem sie vorher eine lange Zeit ziemlich krasse Formen angenommen hatte. Verantwortlich machte er dafür nicht nur die beispiellose Wohlstandsexplosion, sondern auch die erfolgreiche sozialstaatliche Interventionspolitik. Im Grunde ging Kuznets von der optimistischen Grundannahme aus, dass sich dieser Abmilderungstrend weiter fortsetzen könne.

Diese Prognose hat sich alsbald als Irrtum erwiesen. Denn unterschiedliche Faktoren, insbesondere die neoliberale Wirtschaftspolitik von Präsident Reagan und Premierministerin Thatcher samt ihrer Beraterstäbe, haben eine neuartige Verschärfung der Einkommens- und Vermögensungleichheit in den Nationalstaaten und zwischen ihnen herbeigeführt. Nach einem sachten Anfang hat sich seit den 1980er Jahren eine massive Polarisierung durchgesetzt, die paradigmatisch von den USA und Großbritannien angeführt wurde. Seither ist dieser Veränderungsprozess von einer lebhaften Debatte der Ökonomen über das Ausmaß und die Ursachen der wachsenden Ungleichheit begleitet worden.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.