Ausgabe Mai 2014

Lanz sei Dank!

Es ist vollbracht: Am 5. April erklärte Markus Lanz in seiner Sendung, dass es nur noch drei Ausgaben „Wetten dass?“ geben werde. Was für eine Erleichterung – und was für ein Irrsinn! Denn dem vorausgegangen waren zwei Jahre des Fremdschämens mit einem offensichtlich völlig überforderten Moderator. Doch kaum hatte Lanz das Ende verkündet, setzte umgehend die große Nostalgiewelle ein: Darf man tatsächlich das letzte Lagerfeuer der Deutschen, Hort guter Familienunterhaltung, einfach so erlöschen lassen?

Ja, man darf! Denn die Zeit ist schon lange über diese Familiensendung hinweg gegangen. Heute haben sich die „Kids“ längst zu den Privaten verabschiedet, in die harten realitätslastigen US-Serien und zu DSDS und Dschungelcamp. 1981 wurde „Wetten dass?“ erstmalig ausgestrahlt, am 1. Januar 1984 wurde das Privatfernsehen eingeführt. Doch „Wetten dass“ blieb sich über all die Jahre gleich, als das eigentliche Flaggschiff der Ära Kohl und des bundesrepublikanischen Biedermeiers. Nicht ohne Grund dankt Florian Illies am Ende seiner ironisch-postheroischen „Generation Golf“ vor allem einem: Helmut Kohl. Wie aber heißt es dort gleich zu Beginn: „Mir geht es gut. Es ist Samstag abend, ich sitze in der warmen Sonne, im Schaum schwimmt das braune Seeräuberschiff von Playmobil. [...

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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