Ausgabe März 2015

Nigeria: Von Boko Haram zum Staatsversagen

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder erschüttern Selbstmordattentate und Entführungen den Nordosten des Landes – verübt durch die islamistische Terrororganisation Boko Haram. Im Vorfeld der ursprünglich für Mitte Februar angesetzten Präsidentschaftswahl ist die Gewalt noch einmal eskaliert. Den bisher traurigsten Höhepunkt bildete die Invasion der Handelsstadt Baga nahe dem Tschadsee Anfang Januar. Kämpfer von Boko Haram ermordeten etwa 2000 Menschen und zerstörten zahllose Gebäude – und das, obwohl dort die Multinational Joint Task Force stationiert ist. Die Einheit, die sich aus Soldaten verschiedener Nachbarländer zusammensetzt, war ursprünglich zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität gedacht, in jüngster Zeit aber auch mit der Aufgabe betraut, gegen Boko Haram vorzugehen. Der Angriff auf die Stadt Baga zeigt in aller Deutlichkeit das eklatante Versagen der Sicherheitskräfte, der terroristischen Gefahr etwas entgegenzusetzen.

Zwar gelang es der Armee, die im Februar gestarteten Offensiven der Boko-Haram-Terroristen auf die im Nordosten gelegene Millionenstadt Maiduguri sowie auf die Großstadt Gombe vorerst abzuwehren. Doch angesichts der bedrohlichen Lage hat die nigerianische Wahlbehörde den Termin für die Präsidentschaftswahl kurzerhand um sechs Wochen auf den 28. März verschoben.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.