Ausgabe Oktober 2015

Die schwierige Einheit: Gewerkschaften vor der Zerreißprobe

Gewerkschaften werden gegründet, um die Konkurrenz in den eigenen Reihen auszuschließen. Geschlossenheit und Einheit stehen daher obenan im gewerkschaftlichen Tugend-Kanon. „Schafft die Einheit“, in diese Mahnung hatte Wilhelm Leuschner vor seiner Ermordung 1944 die Lehren aus der Zerstörung der Weimarer Demokratie und aus der Ohnmacht der Gewerkschaften zusammengefasst. Im Lichte dieser Erfahrungen entstanden die neuen Gewerkschaften nach der Befreiung vom Nationalsozialismus als Einheitsgewerkschaften im doppelten Sinne: in Abgrenzung zu Richtungsgewerkschaften wie zur Überwindung kleinteiliger Zersplitterung in Berufs-, Sparten- oder gar Betriebsgewerkschaften. Rechtlicher Ausdruck der konkurrenzausschließenden Einheit ist der zwingende, nicht unterschreitbare Tarifvertrag; nicht umsonst gehört es aktuell zum Standardprogramm des IWF und anderer Gläubigerinstitutionen, den Schuldnerstaaten den Ausschluss nationaler Tarifverträge und den Vorrang betrieblicher Regelungen zur Auflage zu machen, damit der (Dumping-)Wettbewerb sich ungehemmt entfaltet.

Um die Einheit ist es hierzulande derzeit schlecht bestellt. Nicht nur dass einige Berufsverbände aus ehemals bestehenden Tarifgemeinschaften ausgebrochen sind und ihren vormaligen Partnern durch konfliktbereite Tarifpolitik den Schneid abkaufen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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