Seit Wochen treibt es hunderttausende Algerier auf die Straßen ihres Landes. Sie demonstrieren für freie Wahlen und wenden sich gegen die fünfte Kandidatur des altersschwachen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Alle Beschwichtigungsversuche des Regimes zeigten bislang keine Wirkung: Am 11. März ließ Bouteflika in einem Brief, über dessen wahre Verfasser spekuliert wird, den Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur erklären, zugleich wurde aber der Termin der Präsidentschaftswahl auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit kleinen Personaländerungen versucht die Regierung zudem, ihren Willen zur Reform zu beweisen. So machte der bisherige Premierminister Ahmed Ouyahia – wie Bouteflika ein verbrauchter Repräsentant der alten Garde – einem Tandem aus dem vormaligen Innenminister Nourredine Bedoui und dem früheren Außenminister Ramtane Lamamra Platz. Spontan brandeten unter den Demonstranten Jubelstürme auf, als sie von Bouteflikas Verzicht hörten. Dann aber kochte der Zorn hoch: Die Regierung will aus ihrer Forderung „Wahlen ohne Bouteflika“ ein „Bouteflika ohne Wahlen“ machen, empörten sich viele Algerier. So gingen am 15.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.