Ausgabe Januar 2021

Revolutionärer Konservatismus

Der rechte Angriff auf Freiheit und Demokratie

Jaroslaw Kaczynski, der Führer von "Recht und Gerechtigkeit", hält eine Ansprache, 27. Oktober 2020 (imago images / Eastnews)

Bild: Jaroslaw Kaczynski, der Führer von "Recht und Gerechtigkeit", hält eine Ansprache, 27. Oktober 2020 (imago images / Eastnews)

Eines kann man dem faktischen polnischen Regierungschef Jarosław Kaczyński und den Angehörigen seines Parteienbündnisses nicht vorwerfen: dass sie ihre Ideologie oder ihr Feindbild verheimlichen würden. Auf die friedlichen Massenproteste, die ein rigides Urteil des von der Staatspartei gesteuerten Verfassungsgerichts zur Abtreibungsfrage ausgelöst hat, reagierte Kaczyński Ende Oktober mit einem hasserfüllten Gewaltaufruf, der in Rhetorik und medialer Optik an Abwehrkämpfe einsam gewordener Potentaten erinnerte.[1] Im Einzelvideo vor Nationalfahnen rief der starke Mann Polens dazu auf, die Nation und die Kirchen zu verteidigen – und zwar „um jeden Preis“, denn die Gegenseite betreibe einen geplanten „Angriff“ und wolle die „Geschichte des polnischen Volkes beenden“.[2]

Hier beschwört jemand den ultimativen Kampf, den autokratisch gesinnte Herrscher der Vergangenheit nicht selten kurz vor der Abdankung ausgerufen haben. Doch die Figur Kaczyński ist eben keine isoliert-verzweifelte Bunkergestalt, sondern der personifizierte Ausdruck eines machtvollen politischen Spektrums. In der EU zählt mit Viktor Orbáns Fidesz eine weitere Allein-Regierungspartei dazu, außerdem die jeweils stärksten Oppositionskräfte in Italien, Frankreich und Deutschland.

Januar 2021

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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