Ausgabe Juni 2021

Noch immer unaufgeklärt: Sexualisierte Gewalt in sozialen Bewegungen

Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern, umgangssprachlich noch oft sexueller Missbrauch genannt, begleitet die Menschheit seit ihren Urvölkern.[1] In der griechischen Antike besaß Päderastie sogar ein hohes Ansehen. Der Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber bezeichnet die griechische Erziehungs-Idee als „Phallosophie“,[2] und die Kennerin des antiken Griechenlands, Eva Keuls, spricht von Athen sogar als einer „phallischen Herrschaft“.[3]

Trotz dieser langen Geschichte sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige markiert erst das Jahr 2010 eine echte Zeitenwende, jedenfalls in Deutschland: Vor elf Jahren erschütterte die Aufdeckung langjähriger sexualisierter Gewalttaten an zwei sehr prominenten Schulen – dem katholischen Canisius-Kolleg,[4] einer der besten Schulen Deutschlands, sowie der Odenwaldschule, der Modell-Schule der Reformpädagogik[5] schlechthin – die deutsche Öffentlichkeit auf eine bislang nicht gekannte Art. Und das, obwohl es schon früher Anzeichen für Gewalt gegen Schülerinnen und Schüler an den beiden Schulen gegeben hatte.[6] Mehr noch als die Verbrechen am Berliner Kolleg schockierten die hundertfachen Taten an der Schule im Odenwald als der Mutter aller deutschen Reformschulen, deren Leitmotiv gerade „Kein Kind wird beschämt“ geheißen hatte.

Juni 2021

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