Ausgabe August 2021

Außer Rand und Band

Wie die Demokratie ihre Fassung bewahrt

»Querdenker«-Kundgebung in Berlin, 21. April 2021 (IMAGO / IPON)

Bild: »Querdenker«-Kundgebung in Berlin, 21. April 2021 (IMAGO / IPON)

Lange galt die liberale Demokratie im Westen als selbstverständlich. Doch spätestens seit dem „Ereignis Trump“ und den apokalyptischen Bildern von der Erstürmung des Kapitols in Washington erscheint sie gefährdet. Zudem ruft die neue Systemkonkurrenz mit erstarkenden autoritären Regimen, insbesondere dem in Peking, bei vielen Menschen die Sorge hervor, die Demokratie könnte sich in einem unaufhaltsamen Niedergang befinden. Tatsächlich distanzieren sich gerade auch in der Coronakrise angesichts der Probleme demokratischer Politik immer mehr Bürgerinnen und Bürger von ebendieser. Und während die Volksparteien Stimmen und Mitglieder verlieren, ersetzen digitale Filterblasen die öffentliche Debatte. Weltweit sind in den letzten Jahren Studien erschienen, die sich mit der Frage befassen, wie die Demokratie in die Krise geraten ist, wie sie zunehmend „degeneriert“ oder wie sie sich selbst hat abschaffen können. Manche sprechen gar von einer „großen Regression“, im Zuge derer grundlegende zivilisatorische Errungenschaften brüchig werden. Wir scheinen Zeugen einer Zeitenwende zu sein, bei der das Überleben unserer Demokratien auf dem Spiel steht.

Gewiss: Nichts ist für die Ewigkeit. Doch statt auf die Existenzkrise der Demokratien zu starren, müsste die Frage lauten, was sie am Leben erhält.

August 2021

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Vom Proletariat zum Pöbel: Das neue reaktionäre Subjekt

von Micha Brumlik

Gewiss, es waren keineswegs nur Mitglieder der US-amerikanischen weißen Arbeiterklasse, die Donald Trump an die Macht gebracht haben. Und doch waren es auch und nicht zuletzt eben jene Arbeiter und Arbeitslosen – und genau hier liegt das eigentliche Erschrecken für die Linke.