Ausgabe September 2022

Italien: Postfaschisten an die Macht?

Giorgia Meloni, die Chefin der Partei Fratelli d'Italia, während einer Demonstration in Rom, 20.7.2022 (IMAGO/Independent Photo Agency Int.)

Bild: Giorgia Meloni, die Chefin der Partei Fratelli d'Italia, während einer Demonstration in Rom, 20.7.2022 (IMAGO/Independent Photo Agency Int.)

Es ist ein altbekanntes, aber deshalb nicht minder bedrohliches Szenario: Eine Zeit lang schauen die ausländischen Staatskanzleien, schauen auch die internationalen Medien entspannt auf Italien. Dort regiert ein Technokrat, ein Ex-Zentralbanker, und dank seiner Kompetenz, dank seines hohen internationalen Ansehens ist auf Rom Verlass, in Europa, in der Welt. Doch dann wirft der Technokrat hin, Neuwahlen werden unvermeidlich – und mit dem entspannten Blick auf Italien ist es von einem Tag auf den anderen vorbei. Denn die großen Favoriten bei den Wahlen sind die drei miteinander verbündeten Rechtsparteien: die Postfaschisten, die rechtspopulistisch-fremdenfeindliche Lega und Silvio Berlusconis Forza Italia.

So ist die Lage im Sommer 2022: Am 20. Juli erklärte der frühere EZB-Chef Mario Draghi seinen Rücktritt als Ministerpräsident, nachdem er 17 Monate lang eine Regierung des nationalen Notstands angeführt hatte, die sich auf fast alle Parteien von links bis rechts stützen konnte. Er warf das Handtuch, da er in einer wichtigen Vertrauensabstimmung die Unterstützung sowohl der Fünf-Sterne-Bewegung als auch von Lega und Forza Italia verloren hatte. Staatspräsident Sergio Mattarella löste daraufhin umgehend das Parlament auf. Nun werden die italienischen Bürger am 25. September ihre neue Volksvertretung wählen – und der überaus klare Favorit ist dabei die Rechte.

September 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.