Ausgabe Januar 2026

Russlands Nationalisten: Mit und gegen Putin

Teilnehmer des »Russischen Marsches« in Moskau, 4.11.2019 (IMAGO / ITAR-TASS)

Bild: Teilnehmer des »Russischen Marsches« in Moskau, 4.11.2019 (IMAGO / ITAR-TASS)

Es ist eher selten, dass ein Mandatsträger der Regierungspartei »Einiges Russland« in loyalen russländischen Medien mit Faschismusvorwürfen konfrontiert wird. Doch dem Sankt Petersburger Regionalabgeordneten Konstantin Tschebykin wurde diese zweifelhafte Ehre am 25. September 2025 zuteil. »Die Faschisten haben Leningrad doch noch erreicht«, lautete die Überschrift eines Beitrages in der Tageszeitung »Moskowskij Komsomolez«, in dem über Tschebykins Teilnahme am Gründungstreffen der »Internationalen Liga der Anti-Globalisten ›Paladin‹« am 12. September in Mariinski-Palast berichtet wurde.[1] Über 50 Delegierte von mindestens 15 rechtsextremen Organisationen aus Europa, Lateinamerika und Afrika kamen auf Einladung des für seine christlich-konservativen Ansichten bekannten Milliardärs Konstantin Malofejew zusammen, darunter die Falange Española de las JONS. Der »Moskowskij Komsomolez« entging nicht, dass die spanischen Ultrarechten sich positiv auf die Freiwilligen der »División Azul« beziehen, die im Zweiten Weltkrieg aufseiten der Achsenmächte an der Ostfront kämpften, und sogar explizit deren »Heldentaten im Kampf gegen den Bolschewismus« bei der Blockade von Leningrad rühmen. Dies brachte auch Alexander Belski, den Vorsitzenden des Regionalparlaments St. Petersburg in Erklärungsnot. Er rechtfertigte sich schließlich damit, ihm sei die Zusammensetzung der Konferenz nicht bewusst gewesen.

»Blätter«-Ausgabe 1/2026

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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