Bild: Mitglieder der YPG vor der Stadt Hasakeh im Nordosten Syriens, 2.2.2026 (Amjad Kurdo / IMAGO / Middle East Images)
Drei Wochen stand Syrien im Januar am Abgrund. Im Nordosten des Landes eskalierte der Konflikt zwischen Zentralregierung und kurdisch geführter Selbstverwaltung – Kämpfe, Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen drohten zu einem offenen Krieg auszuarten. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 war das strategisch wichtige Gebiet, das fast ein Drittel des Landes umfasst und reich an Erdöl, Erdgas und landwirtschaftlichen Nutzflächen ist, noch immer nicht Teil des neuen syrischen Staates geworden. Ein am 10. März 2025 unterzeichnetes Grundsatzabkommen zwischen Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa und Mazlum Abdi, dem Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), war zehn Monate lang nicht umgesetzt worden. Die Integration drohte mit Gewalt, statt am Verhandlungstisch vollzogen zu werden.
Nach dem militärisch erzwungenen Abzug kurdischer Einheiten aus Aleppo Anfang Januar eroberten die Truppen der Übergangsregierung innerhalb weniger Tage die Provinzen Raqqa und Deir al-Zor sowie Teile der Provinz Hasaka. Arabische Bewohner:innen feierten das Ende der kurdisch dominierten Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyrien (AANES) als Befreiung, Kurd:innen fürchteten sich vor Repressionen und Massakern durch extremistisch auftretende Sicherheitskräfte der Übergangsregierung.
In den sozialen Medien kursierende Videos befeuerten Ängste und Hass auf beiden Seiten.