Bild: Hamza Abu Howidy: Muscheln am Strand von Gaza, Cover: S. Fischer-Verlag
Es ist erstaunlich, wie sich die Stimme Hamza Abu Howidys gegen alle Widerstände zu einer Stimme des Friedens entwickelt hat. Der junge Aktivist ist Palästinenser, geboren 1997 in Gaza-Stadt, aufgewachsen unter den Bedingungen von Blockade, israelischer Kontrolle und schließlich der Herrschaft der Hamas. Er weiß, was es heißt, wenn eine Gesellschaft von außen eingesperrt und von innen durch ein autoritäres, islamistisches Regime beherrscht wird. Dennoch wählt er den Weg der Verständigung.
Sein Buch »Muscheln am Strand von Gaza«, entstanden unter Mitwirkung der Journalistin und Nahostexpertin Judith Poppe, liefert einen seltenen Blick in das Innere des Gazastreifens. Es ist ein Bericht über politische Gewalt, eine traumatische Kindheit und die mühsame Entwicklung eines unabhängigen Urteilsvermögens. Palästinenser:innen sind hier weder eine abstrakte Opfergruppe noch ein Täterkollektiv, Gaza dient nicht bloß als Chiffre für eine geopolitische Katastrophe.
Hamza Abu Howidy eröffnet seine Erinnerungen mit einem Blick zurück in das Jahr 2007. Sein Buch beginnt in jenem Juni, in dem die Lage im Gazastreifen nach dem Abzug der israelischen Armee 2005 und dem Machtkampf zwischen der Hamas, die 2006 die Wahlen gewonnen hat, und der konkurrierenden Fatah eskaliert. Palästinenser:innen töten Palästinenser:innen. Für den damals Zehnjährigen sind das traumatische Erlebnisse, die Kämpfe finden rund um sein Haus statt.