Der verkannte Umbruch im Sahel
Bild: Assimi Goita, Präsident von Mali, 22.9.2025 (IMAGO / Xinhua)
Westliche Sicherheitsexpert:innen betonen schon länger, der Sahel sei zum globalen Epizentrum dschihadistischer Gewalt geworden. Doch die Entwicklungen dort sind keineswegs so eindimensional, wie dies in der westlichen Öffentlichkeit häufig dargestellt wird. Vielmehr sind die Gewalteskalationen in Burkina Faso, Mali und Niger Bausteine eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruchs in der Region.
Wenn es um die Sicherheitslage im Sahel geht, klaffen die Einschätzungen weit auseinander – das haben auch die jüngsten Terrorangriffe Ende April in Mali gezeigt, bei denen unter anderem der malische Verteidigungsminister Sadio Camara durch eine Autobombe in der streng überwachten Garnisonsstadt Kati getötet wurde. Westliche Sicherheitsexpert:innen betonen schon länger, die Region sei zum globalen Epizentrum dschihadistischer Gewalt geworden. Betroffen sind vor allem die drei Sahelländer Burkina Faso, Mali und Niger – mitunter auch die nördlichen Regionen der angrenzenden Küstenländer Nigeria, Benin und Togo. Seit Beginn der Gewalteskalation 2012 sind dort über 70 000 Menschen ums Leben gekommen. Rund drei Millionen Menschen mussten ihre Häuser ganz oder vorübergehend verlassen. Hunderttausende Kinder und Jugendliche haben seit fünf bis zehn Jahren so gut wie keinen Zugang zu Bildung.