Vom fossilen zum demokratischen Wachstum
Bild: Innenansicht vom Autoturm in Wolfsburg, 28.4.2016 (IMAGO / IPON)
Die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft ist in aller Munde und befeuert eine Debatte um die Finanzierbarkeit des Sozialstaates. Darüber gerät aber aus dem Blick, was die eigentlichen Ursachen dieser Entwicklung sind: Das deutsche Wirtschaftsmodell befindet sich in einer tiefen Krise.
Es waren schlechte Nachrichten, mit denen die sogenannten Wirtschaftsweisen Ende Mai aufwarteten. Das Beratergremium der Bundesregierung halbierte die Konjunkturprognose nahezu und erwartet nun ein Wachstum von bloß 0,5 Prozent.1 Dabei spielen die Folgen des Irankriegs, vor allem die Blockade der Straße von Hormus, eine Rolle. Doch dürfte es sich bei der gegenwärtigen Krise des »Deutschen Kapitalismus« um weit mehr als eine Konjunktur- oder Strukturkrise handeln.2 Alle vier Stützen dieses industriebasierten, exportorientierten, korporatistisch regulierten und fossil fundierten Entwicklungsmodells erodieren.3
Die deutsche Industrie konnte ihren hohen Anteil an der Bruttowertschöpfung lange durch technologischen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern und einen hohen Grad an Spezialisierung aufrechterhalten. Doch insbesondere im Automobil- und Maschinenbau haben die Industrien anderer Staaten (allen voran Chinas) inzwischen große Technologiesprünge und Spezialisierungszuwächse vorzuweisen, wodurch die deutsche Wirtschaft ihre bisherigen Vorteile zusehends verliert.