Ausgabe März 1990

Welche Einheit soll es sein?

Beobachtungen zur Lage der Nation

Kommt jetzt die deutsche Einheit? Viele prophezeien es, andere geraten in Panik, und die meisten wirken ziemlich desorientiert angesichts der Beschleunigung der historischen Zeit, die wir seit dem Durchbruch der Gorbatschow-Revolution erleben. Dabei sind jetzt kühle Köpfe vonnöten, um die Chancen für die Selbstbestimmung aller Deutschen und für die Schaffung einer europäischen Friedensordnung, die die gegenwärtige Situation bietet, zu nutzen und die Gefahr eines Rückfalls in nationalstaatliche Regression zu bannen. Schauen wir also zu, was in der Deutschlandpolitik "geht", was bleibt und was man besser bleiben lassen sollte. Die Analyse wird zeigen, daß sehr verschiedene Formen von "Einheit" möglich sind, und daß es entscheidend darauf ankommen wird, für welche Form man sich einsetzt.

1. Nation, Staat und Selbstbestimmung

Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, daß in der DDR nicht nur, was man immer schon wußte, keine eigene Staatsnation entstanden ist, sondern daß dieser Staat auch über kein eigenes Gesellschaftsprojekt verfügt. Diffuse Hoffnungen auf einen "dritten Weg" haben sich angesichts der schreienden Diskrepanz zwischen westlichem Konsumglanz und real existierender Mangelwirtschaft rasch verflüchtigt.

Noch nicht einmal die Konstituierung einer revolutionären Volksbewegung ist gelungen.

März 1990

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.