Ausgabe November 1990

Entwicklungspolitik muß in der Ersten Welt beginnen

Umrisse einer alternativen Dritte-Welt-Politik

I. Einleitung 1)

Der Anspruch, solidarisches Handeln in der einen Welt zu organisieren, ist heute mit der Erfahrung konfrontiert, daß sich die Vielfalt der unterschiedlichen und oft sich zuspitzenden Probleme der Dritten Welt monokausalen Erklärungsmustern entzieht. Die Gegensätze von Moderne/Industrialismus und Tradition, medizinischem Fortschritt und Bevölkerungsexplosion, Markt und Plan, Abkopplung und Weltmarktintegration, endogenen und exogenen Krisenursachen kennzeichnen die Pole einer zunehmend ausdifferenzierten Diskussion, die immer weniger Antworten im Sinne eines einfachen "Entweder-Oder" erlaubt. Ein neues, umfassendes, einigermaßen konkretes Entwicklungsmodell ist nicht in Sicht. Das Bestreben, ein solches zu entwickeln, widerspricht auch der Zielsetzung einer "anderen Entwicklungspolitik".

In dem Mittelpunkt unserer Überlegungen stehen vielmehr der Prozeß hin zu mehr Selbstbestimmung und Partizipation für die Menschen im Süden, der unauflösbare Lebenszusammenhang und der damit verbundene Zwang zum solidarischen Handeln zwischen der Ersten und der Dritten Welt sowie die Entwicklung einer neuen Kultur der Zusammenarbeit, die die anhaltende Dominanz des Nordens beendet.

November 1990

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die neue Merz-Doktrin?

von Jürgen Trittin

Jahrzehntelang durfte in keiner Grundsatzrede eines deutschen Politikers in Regierungsverantwortung der Satz fehlen: „Wir setzen auf die Stärke des Rechts statt auf das Recht des Stärkeren.“ Doch das war einmal. Bundeskanzler Merz‘ lautstarkes Räsonieren über den Krieg Israels gegen den Iran markiert den Bruch mit dieser Tradition.

Eigennutz statt Solidarität

von Klaus Seitz

Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.

Besser als ihr Ruf: Die europäische Afrikapolitik

von Roger Peltzer

Schon unter Angela Merkel hat der afrikanische Kontinent in der deutschen Bundesregierung große politische Aufmerksamkeit erfahren. Die Ampelregierung setzt diesen Kurs fort: Seit seinem Amtsantritt reiste Bundeskanzler Olaf Scholz jedes Jahr nach Afrika.