Ausgabe März 1991

Medienkriegsgeschichte

Die modernen Massenmedien sind immer dann entstanden, wenn man sie brauchte. Das erste von ihnen, welches Bilder vom Leben und von der Welt fast unbegrenzt verbreitbar machte und zugleich mit dem Anspruch auftrat, wirklichkeitsgetreu und authentisch zu sein, war die Photographie. Kaum war sie entstanden, wurde sie eingesetzt, um für die Kolonialpolitik der großen europäischen Machte zu werben. Was in den fernen Ländern passierte, sollte so gezeigt werden, wie dies die ökonomischen Interessenorganisationen wollten: als g r o ß e s z i v i l i s a t o r i s c h e s W e r k.

Aber auch der Gegenpropaganda sollten die Photographien, deren Glaubwürdigkeit als dokumentarische Quellen bis heute im Grunde unangetastet geblieben ist, dazu dienen, die Greueltaten des jeweiligen Konkurrenten anprangern: Die englische Kolonialmacht, die sich, nachdem sie genug an ihm verdient hatte, um 1850 an die Spitze der Gegner des Sklavenhandels setzte, wies um ein Beispiel zu nennen - mit Hilfe von Photographien nach, wie grausam und menschenunwürdig der belgische König seine kongolesischen Privatuntertanen behandelte. Die ersten fernen Ereignisse, die den Bewohnern zuhause ausschließlich durch die "bewegten Bilder" des gerade fünf Jahre alten Filmmediums vermittelt wurden, waren der amerikanisch-spanische Krieg um Cuba 1898 und der Burenkrieg in Südafrika 18991902.

März 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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