Ausgabe August 1991

Was heißt Zivile Gesellschaft?

Versuch den Pudding an die Wand zu nageln.

"Es ist ein beispielhafter Augenblick in der Geschichte der Gesellschaftskritik, wenn ein Kritiker auf das Scheitern seiner größten Hoffnungen reagieren muß." Michael Walzer, Zweifel und Einmischung, Frankfurt/M. 1991, S. 110.

Das Verarbeiten von Enttäuschungen gehört zum Schwersten, an dem die Lebenskunst von Individuen sich zu bewähren hat. Angesichts einer Enttäuschung, also der schmerzlichen Einsicht, daß unseren tiefsitzenden Wünschen und liebgewordenen Lebenszielen, unseren moralischen Vorstellungen und ethischen Werten in der Wirklichkeit nichts entgegenkommt, wir also in zentralen Bereichen unseres Lebens auf Sand gebaut haben, sind vielerlei Reaktionen möglich.

Vom depressiven Verstummen, das sich dem Wettlauf unterwirft, bis zum paranoiden Rückzug, der die Welt für irrelevant erklärt und weitermacht wie bisher, spannt sich der Bogen.

August 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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