Ausgabe Februar 1993

Ein Erfolgsrezept für Rußland?

I

In den Jahren der Perestroika und danach war kein Mangel an verschiedenen Reformprogrammen. Einige davon wurden offiziell verkündet, ihre Verwirklichung angestrebt.

Aber keines dieser Programme hat sich als realistisch und effektiv erwiesen. Mehr noch: Die Krise im Lande verschärft sich, die Produktion sinkt weiter, die Zentralmacht wird immer schwächer, die nationalen und territorialen Konflikte nehmen an Härte und Ausmaß zu. Im Prinzip kommt dies nicht unerwartet. Die Nachkriegsperiode in Deutschland oder Japan zum Beispiel verdeutlicht, wie qualvoll das Erbe der vorangegangenen Gesellschaften überwunden wurde.

Aber solche und andere Vergleiche sind kein Trost für eine Gesellschaft, die eine schwere Krise durchlebt und versucht, sich aus ihr zu befreien. Deshalb werden die Versuche fortgesetzt, eine "Erfolgsformel", eine Strategie des staatlichen Überlebens und der weiteren Entwicklung für Rußland zu finden. Im Unterschied zum früheren geistigen und wissenschaftlichen Isolationismus wenden sich die Forscher dieses Mal der internationalen Erfahrung zu - bis hin zur direkten Kopie derselben. Ein prägnantes Beispiel war der sogenannte Monetarismus und die Taktik der "Schocktherapie" der Regierung Gaidar. Die einfache Nachahmung erweist sich aber als genauso unproduktiv wie das Ignorieren fremder Erfahrungen.

Februar 1993

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.