Ausgabe April 1993

Zwischen Kooperation und neuen Kriegführungsoptionen

Acht Thesen zur Zukunft von Rüstungskontrolle und Abrüstung

I. Ein neues Rüstungskontrollkonzept ist erforderlich

Die Ost-West-Rüstungskontrolle war in Theorie und Praxis eine Funktion des bipolaren Konfrontationssystems; ihre Ergebnisse verlieren mit dessen Zusammenbruch entweder ihre Bedeutung oder werden auf eine Restfunktion reduziert, oder sie gewinnen neue funktionale Zusammenhänge. Mögliche neue Funktionen für Rüstungskontrolle und Abrüstung müssen heute hinsichtlich ihrer Bedingungen, Inhalte und Ziele in ähnlicher Weise neu konzipiert werden, wie dies Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre geschah. Die klassische Rüstungskontrolltheorie verstand unter Rüstungskontrolle eine stabilitätsorientierte Steuerung des Rüstungsprozesses in einem politischen Konfliktverhältnis, wobei die Spannweite konkreter Konzeptionen bereits in der berühmt gewordenen "Daedalus"Sondernummer von 1960 1) vom Versuch einer Stabilisierung des Abschreckungsprozesses bei relativer Gleichgültigkeit gegenüber Abrüstung und Inkaufnahme von Aufrüstung bis hin zum expliziten Ziel stabilitätskonformer Abrüstung reichte. Bei allen Unterschieden zwischen verschiedenen Schulen hatte die Rüstungskontrolltheorie doch folgende gemeinsame Merkmale: Orientierung am politischen Status quo, Konzentration auf die nukleare Ebene, Perzeption eines gemeinsamen Interesses an der Stabilisierung der Abschreckung.

April 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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