Eigentlich schlechte Zeiten für Konservative - die Champions unter den Besitzstandswahrern -, wenn alles anders werden muß (und sei es, damit alles beim alten bleibt). Am Pranger steht über Nacht, wessen der Wohlstandsbürger sich so lange in aller Unschuld freuen durfte: Das Haben- und Mehrhabenwollen, das Besitzstandsdenken eben, die einst erfolgreiche CDU-Wahlkampfparole "Keine Experimente", vertraute Gewohnheiten, mehr oder weniger wohlerworbene Rechte und Ansprüche - lauter "Werte", die in der alten Bundesrepublik immer wieder Konservativen und Liberalen die Wähler zutrieben (Erhard: "Wohlstand für alle") und für die Adenauers Enkel plötzlich nur noch Hohn und Spott übrig haben... Standortdebatte heißt das erstaunliche Schauspiel. Der Berg hat gekreißt. Monatelang vorangekündigt, nach Versuchsballons, Vorentwürfen, die eilig wieder kassiert wurden, amtlicher Heimlichtuerei liegt die Maus auf dem Tisch: der "Bericht der Bundesregierung zur Zukunftssicherung des Standortes Deutschland", 110 Seiten, vorgelegt von Wirtschaftsminister Rexrodt am 2. September (im folgenden zitiert: Rexrodt). Worum es im Kern geht, steht allerdings präziser in der Vorlage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V., dem einen Monat zuvor veröffentlichten Papier "Produktionsstandort Deutschland" (Köln, August 1993, 52 Seiten).
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.