Ausgabe Dezember 1993

Kinderklonen

Als der Schriftsteller David Rorvik 1978 die Geschichte eines alternden Millionärs veröffentlichte, der eine Kopie seiner selbst von einer jungen schönen Leihmutter austragen ließ, meldete sich die ganze Elite der Genetiker empört zu Wort. Rorviks Roman "In his Image" ("Nach seinem Ebenbild") drohte einen Schatten auf Medizin und Gentechnik zu werfen, die gerade die Möglichkeiten der neuen Biotechnik zu erproben begonnen hatten.

Eine ethische Schallmauer

Inzwischen sind die Grenzen zwischen Science fiction und, Wirklichkeit verwischt. Beim Versuch des amerikanischen Forschers Jerry L. Hall, menschliche Embryonen zu klonen, ist eine neue Schallmauer durchbrochen worden: beileibe keine technische, denn Klonen gehört in der Tierzucht schon zur Routine, aber eine ethische und moralische. Im Namen eines fragwürdigen Fortschritts zur Therapie kinderloser Paare wurden die Regeln des menschlichen Zusammenlebens aufgekündigt.

Durch das Klonen, die weitreichendste Veränderung der Erbsubstanz, wird die Persönlichkeit in Frage gestellt. Individualität und Autonomie eines Menschen sind völlig aufgehoben.

Dezember 1993

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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