Ausgabe Januar 1994

Tragödie Tadjikistan

Die Fortsetzung des Afghanistan-Krieges mit veränderter Geometrie

Krieg zwischen muslimischen "Brudervölkern"

Im September 1992 gelang es den vereinten Kräften von Islamisten und Liberalen, die aus der sowjetischen Epoche überkommene Regierung Tadjikistans aus der Hauptstadt Duschanbe zu vertreiben. Die von dem Islamisten Muhamed-Shar¡f Himatz¢de geleitete Partei der Islamischen Wiedergeburt (IRP) ging eine Koalition mit der kleineren Demokratischen Partei Tadjikistans ein, die sich als liberal definieren läßt. Nach der Flucht der Regierung Rakhm¢n Nabiyev und ihrer Nomenklatura in den Nordteil des Landes ergab sich eine ähnliche Situation wie in Rußland im Herbst 1993.

Obwohl die tadjikischen Parlamentarier kein wirkliches Mandat besaßen, hielten sie doch an ihrem Anspruch fest, die einzig legitime Volksvertretung zu sein, und erklärten die neue Regierung in Duschanbe für illegal. Im November trat das von Kommunisten dominierte Parlament in der Provinzhauptstadt Khuzhand zusammen, wählte einen neuen Präsidenten, bildete eine Gegenregierung zur islamistisch-demokratischen Koalition und ließ Panzer auf die Hauptstadt rollen. Am 10. Dezember 1992 blieb der Regierung nichts anderes übrig, als zu fliehen, um den nun einsetzenden Säuberungen zu entgehen, in deren Verlauf es zu etlichen Blutbädern kam.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.