Ausgabe Juni 1995

Die ganz normale Verweigerung

Fast jedes Jahr ein neuer Rekord. Manch eine Organsiation für Kriegsdienstverweigerer könnte stolz sein. Was lange Jahre als politisches Ziel angestrebt wurde - die Planungen der Militärs zu durchkreuzen -, scheint endlich erreicht: Die Truppenstärke der Bundeswehr ist in Gefahr, melden "Welt am Sonntag" (WamS) und "Welt" im Frühjahr 1995 und zitieren einen Brief des CDU-Wehrexperten Augustinowitz an Volker Rühe, in dem er den Minister davor warnt, daß ihm die Rekruten spätestens ab 1998 ausgehen. Auch dem Generalinspekteur der Bundeswehr soll das Inspizieren seiner starken Truppe zum Alptraum geworden sein, da er angeblich überall Lücken in den Reihen halluziniert. Der Umfang sei nur zu halten, schreibt Klaus Naumann, wenn es gelinge, einen weiteren Anstieg der Verweigererquote zu verhindern. Diese überschreitet laut WamS noch in diesem Jahr die 30%-Marke. In Westdeutschland soll sie nach Angabe des Neunten Jugendberichts sogar bei rund 40% liegen. 1)

Soviel Anerkennung aus berufener Feder ist vielleicht zuviel: Wählt man als Berechnungsgrundlage nicht die Zahl der sogenannten Wehrdienstfähigen n a c h d e r M u s t e r u n g, sondern die der Wehrpflichtigen, so liegt die Rate um 20%. Mit dem Geburtsjahrgang 1973 wurde Anfang der 90er Jahre erstmals dieser Wert übertroffen.

Juni 1995

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