Ausgabe August 1995

500 mal was Vernünftiges

Else Kling hat sich einen Videorecorder gekauft und nun soll er angeschlossen werden. Aber es ist nur eine Gebrauchsanleitung auf italienisch dabei. Da muß sie leider den (wie heißt er noch?) Sarottti oder Pavarotti vom Pizzarestaurant bitten zu übersetzen. Man ist ganz erstaunt über Elses neue Vorliebe fürs Fernsehen, in dem doch "selten was Vernünftiges" komme. Nein, nicht Porno oder andere Schweinereien, nur "meine Serie", von der heute die 500. Folge gesendet wird, will sie "bis in alle Ewigkeit festhalten". Als Gatte und Sohn trotz linguistischer Unterstützung den Recorder nicht zum Laufen kriegen und darüber hinaus auch noch im Fernsehapparat die Sendereinstellungen löschen, läuft sie ins benachbarte griechische Restaurant, um dort wenigstens einen Teil der Folge noch anzusehen.

Aber sie wird abgewiesen. Denn Panaiotis Sarikakis, der Wirt, hatte monatelang Geld für Hilfsgüter gesammelt, die er dann selbst mit dem LKW nach Georgien bringen wollte. In der Türkei wurde er aufgehalten und beschuldigt, die Sachen seien für aufständische Kurden bestimmt. Der LKW wurde samt Ladung beschlagnahmt und er selbst verhaftet und im Gefängnis barbarisch gefoltert. Gerade ist er zurückgekommen und wurde schwerverletzt mit einem traumatischen Schock ins Krankenhaus gebracht.

August 1995

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