Ausgabe Dezember 1996

Sozialstaat oder Barbarei?

Im Blätter-Gespräch

"Blätter"-Gespräch mit Micha Brumlik Einiges Aufsehen erregte Micha Brumlik Mitte Oktober, als er auf dem Perspektivenkongreß der Grünen in Hannover die Frage stellte, ob es nicht sein könnte "daß wir heute also weniger über Kommunitarismus denn allen Ernstes über Kommunismus nachzudenken hätten". Nun hatte sich Brumlik in den - von ihm z.T. mitveranstalteten Debatten - über Kommunitarismus nie als besonderer Freund der Gemeinsinntheorie hervorgetan. Die plötzliche Liebe zum Kommunismus erschien dennoch als die abrupte Wendung eines Intellektuellen, der der Linken jahrelang immer wieder die Wiederentdeckung des Liberalismus "als einzige Überlebenschance" empfohlen hatte. Christoph Wagner sprach mit Micha Brumlik über Realpolitik und notwendige Innovation - und darüber, wie die verschiedensten "-ismen" heute verstanden werden sollten. D. Red.

 

"Blätter": Beeindruckend war das Hallo, das Sie mit Ihrem Wortspiel beim Publikum in Hannover auslösten - und wenige Minuten später applaudierten die gleichen Leute bei der Gegenrede Joschka Fischers... Ist das die Politikverdrossenheit von politisch Aktiven, die sich blitzartig-unreflektiert in der Lust am Spektakel, am deftigen Schlagabtausch entlädt?

Micha Brumlik: Ich deute es anders.

Dezember 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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