Ausgabe Januar 1997

Wundersame Rettung der deutsch-iranischen Freundschaft

Im Bonner Auswärtigen Amt hatte man eine Idee: Zöge man alsbald den unglückseligen Terminus vom Kritischen Dialog aus dem Verkehr, werde sich das öffentliche Aufbegehren, das mit Verspätung nun alle Lager erreicht hat, früher oder später geben.

Doch selbst mit der schlichten Umbenennung kam der Chef des Hauses nicht zurecht. Kinkel: "Was den 'kritischen Dialog' anbelangt, höre ich Stimmen, die sagen, man solle ihn doch umwandeln in eine Politik der kritischen Einmischung. Das Wort stammt von mir, wenn ich darauf hinweisen darf, und das ist das Ergebnis der letzten Überlegungen der Europäer und auch meiner Überlegungen: Das Wort 'kritischer Dialog' hat einen überzogenen Symbolwert erhalten." 1) Ein Außenminister, der erst Stimmen hört, dann eine Politik der Einmischung kreiert und damit (namens seiner europäischen Kollegen, wohlgemerkt!) am völkerrechtlichen Grundbestand kratzt - zumindest der letzte Punkt dürfte in der Adenauerallee Alarm ausgelöst haben. Der Außenamtssprecher wurde zur Nachbesserung ausgeschickt und gab auftragsgemäß bekannt, Kinkel habe keine Freude mehr am Begriff des Kritischen Dialogs und bevorzuge es, "alternativ, inhaltlich aber gleich [!], vom Begriff der aktiven Einwirkung in unserer Politik auf den Iran zu sprechen." 2)

Statt Kritischer Dialog von jetzt auf gleich Aktive Einwirkung.

Januar 1997

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