Ausgabe Juli 1997

Felix Arabia oder: Der Jemen hat gewählt

Daß im Jemen am 27. April 1997, genau vier Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen, ein neues Parlament gewählt werden würde, war nicht unbedingt das, was man im politischen und geographischen Kontext erwarten mußte. Die 1990 aus Nord- und Süd-Jemen (Arabische Republik Jemen und Demokratische Volksrepublik Jemen) entstandene Jemenitische Republik ist, von Kuwaits Minderheitendemokratie abgesehen, das einzige Land auf der arabischen Halbinsel, das ein pluralistisches System und ein gewähltes Parlament hat. Die politischen Eliten der beiden Jemen, die sich mit der Vereinigung auf Mehrparteiensystem und parlamentarische Kontrolle der Exekutive einigten, waren selbst alles andere als gelernte Demokraten, dennoch galten Demokratie und Pluralismus als Mittel zur friedlichen Konfliktbearbeitung und als Sicherung gegen die Auschaltung schwächerer politischer Gruppen. Die ersten Parlamentswahlen des vereinigten Jemen, 1993, wurden international auch positiv bewertet.

Dagegen waren die demokratischen Institutionen nicht stark genug, um den kurzen Bürgerkrieg zu verhindern, über den sich der Jemen im Frühjahr 1994 einmal mehr in zwei separate Staaten zu teilen drohte. Südliche Frustration über nördliche Dominanz und die Unfähigkeit beider Führungseliten zur Kooperation bauten sich bis zur militärischen Konfrontation und zum offenen Krieg auf.

Juli 1997

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die neue Merz-Doktrin?

von Jürgen Trittin

Jahrzehntelang durfte in keiner Grundsatzrede eines deutschen Politikers in Regierungsverantwortung der Satz fehlen: „Wir setzen auf die Stärke des Rechts statt auf das Recht des Stärkeren.“ Doch das war einmal. Bundeskanzler Merz‘ lautstarkes Räsonieren über den Krieg Israels gegen den Iran markiert den Bruch mit dieser Tradition.

Eigennutz statt Solidarität

von Klaus Seitz

Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.

Besser als ihr Ruf: Die europäische Afrikapolitik

von Roger Peltzer

Schon unter Angela Merkel hat der afrikanische Kontinent in der deutschen Bundesregierung große politische Aufmerksamkeit erfahren. Die Ampelregierung setzt diesen Kurs fort: Seit seinem Amtsantritt reiste Bundeskanzler Olaf Scholz jedes Jahr nach Afrika.