Ausgabe Februar 1998

Überhaupt nichts ist unpolitisch

Tucholskys Richterbild

Wer sich in diesem Lande mit Politik oder unmittelbar mit der Justiz beschäftigt, die nur eine besondere Art der Politik betreibt, landet über kurz oder lang bei Kurt Tucholsky. Das war naturgemäß in der Weimarer Zeit so, denn damals schrieb Tucholsky, selbst gelernter Jurist, oft und entsetzt über die Richter und ihre Rechtsprechung. In der Nazizeit wäre man freilich ermordet oder eingesperrt worden, hätte man es mit dem Juden Tucholsky gehalten.

Nun aber ist er seit fünfzig Jahren tot warum gibt es auch heute noch eine Tucholsky-Gesellschaft, eine Tucholsky-Stiftung? Warum stolpert man Tag für Tag über den Mann? Warum hat Heribert Prantl im vergangenen Jahre eine so deprimierende Rede zur Verleihung des Tucholsky-Preises gehalten? Eine Rede, die vernünftigen Widerspruch nicht zuließ, weil Prantl nur zu recht hatte. 1) Hat sich etwa seit Tucholsky in diesem Lande gar nichts oder nur wenig verändert? Lassen wir die Frage erst einmal stehen und versuchen wir, einige Mosaiksteine zusammenzutragen. Eigene Erfahrungen sind dabei immer hilfreich: 1970 rollte der "stern" die weniger berühmte als skandalöse bayerische Spielbanken-Affäre wieder auf. Da ging es - wie schon im eigentlichen SpielbankenProzeß des Jahres 1959 - um die Frage, ob der spätere CSU-Bundesinnenminister Dr.

Februar 1998

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