Ausgabe Juni 1998

Vier Aufgaben einer neuen Koalition

Die Umfragen verheißen ein Ende der Ära Kohl. Es kommt Wende-, aber keine Aufbruchstimmung auf. Die Bundesregierung gilt als verbraucht. Doch welches sind die großen Projekte, mit denen eine rot-grüne Regierung den politischen Kurswechsel einläuten will? Nach dem grünen Benzinpreisschock will die Sozialdemokratie dem politischen Gegner keine Projektionsfläche bieten. Das SPD-Programm, laut Kanzlerkandidat Schröder das "marktwirtschaftlichste" in der Parteigeschichte, läßt in seiner Unverbindlichkeit die Formulierung grundlegender Alternativen vermissen. Es ist höchste Zeit für eine breite Diskussion über die großen Zukunftsaufgaben einer Regierung aus SPD und Grünen. Einer Politik, die nachhaltig statt neoliberal sein will, stellen sich unseres Erachtens vier Hauptaufgaben:

1. Ökologische Steuerumschichtung

Das "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" als Grundlage deutscher Wirtschaftspolitik ist zu verändern. Bisher verpflichtet es Bund und Länder auf eine Politik, die "im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohem Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen (soll)".

Juni 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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