Die Debatte über Amerikas Außenpolitik spaltet Washington auf neue Weise. Es gibt sowohl neokonservative als auch liberale Verfechter jener Politik, die die amerikanische Macht einsetzt, um die Demokratie weltweit zu fördern. Die Anhänger der "wohlwollenden Hegemonie" verbünden sich mit den wilsonistischen Idealisten, welche einen unverkennbaren Einfluß auf die Politik der Regierung Clinton ausüben. Ihnen stehen die sogenannten Neo-Isolationisten gegenüber, die gemeinhin als Linke gesehen und der Desillusionierung über Amerika beschuldigt werden, aber auch die "Realisten", die eine traditionell konservative und gewöhnlich pessimistische Haltung gegenüber der Geschichte und den Zwängen der nationalen Politik einnehmen. Die Förderer der Demokratie führen zwei Argumente an. Sie meinen, die internationale Stabilität hänge heutzutage von der weltweiten Führungsrolle der USA ab. Ferner argumentieren sie, daß Außenpolitik ein Kreuzzug zur Verbreitung amerikanischer Ideen und Maßstäbe sein müsse, um den Werten der Nation gerecht zu werden und die Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Diese Argumente haben etwas für sich, jedoch weniger als mancher glaubt.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.