Die Debatte über Amerikas Außenpolitik spaltet Washington auf neue Weise. Es gibt sowohl neokonservative als auch liberale Verfechter jener Politik, die die amerikanische Macht einsetzt, um die Demokratie weltweit zu fördern. Die Anhänger der "wohlwollenden Hegemonie" verbünden sich mit den wilsonistischen Idealisten, welche einen unverkennbaren Einfluß auf die Politik der Regierung Clinton ausüben. Ihnen stehen die sogenannten Neo-Isolationisten gegenüber, die gemeinhin als Linke gesehen und der Desillusionierung über Amerika beschuldigt werden, aber auch die "Realisten", die eine traditionell konservative und gewöhnlich pessimistische Haltung gegenüber der Geschichte und den Zwängen der nationalen Politik einnehmen. Die Förderer der Demokratie führen zwei Argumente an. Sie meinen, die internationale Stabilität hänge heutzutage von der weltweiten Führungsrolle der USA ab. Ferner argumentieren sie, daß Außenpolitik ein Kreuzzug zur Verbreitung amerikanischer Ideen und Maßstäbe sein müsse, um den Werten der Nation gerecht zu werden und die Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Diese Argumente haben etwas für sich, jedoch weniger als mancher glaubt.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.