Solange Politik stattfindet, werden in ihr und durch sie soziale Verhältnisse gestaltet und wird dafür über dingliche Konstellationen und Konstruktionen entschieden - auf eine Vielzahl von also politisch organisierten Menschen hin, die an dieser Gestaltung oder Machtausübung beteiligt sein sollten (Minimalbedingung von Demokratie). In diesem Sinne ist politisches Handeln immer zukunftsgerichtetes Handeln. Vorausgesetzt, daß überhaupt Handlungschancen bestehen ("Kontingenz"), sich Politik ereignen kann, verbraucht politisches Handeln Möglichkeiten ("Ressourcen"). Bestimmte Möglichkeiten werden aktualisiert und als zukünftige Chancen wahrgenommen. Andere werden dadurch hintangestellt oder ausgeschlossen. Politik als kollektiver Versuch von Menschen, ihre Gegenwart und Zukunft in dem jeweils möglichen Maß selbst zu gestalten (zu "machen" und in diesem Sinne "Macht" auszuüben) darüber vor allem auch, was möglich ist, wird gestritten -, enthält insofern immer erneut ein riskantes prometheisches Versprechen. Voraus zu denken und rechtzeitig handeln, statt epimetheusgleich immer zu spät zu kommen. Etwas ganz anderes ist es zu meinen, die Zukunft geradezu perfekt planen, also vorwegnehmen und risikikolos machen zu können.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.