Minderheiten werden ungerecht behandelt, werden mißbraucht und benutzt und leiden an der Dummheit und den Vorurteilen der Mehrheit. Das sind schlichte Erkenntnisse, den Grünen bestens vertraut, denn der Schutz von Minderheiten lag ihnen immer am Herzen. In diesem Wahlsommer aber traf sie das Unglück mit der Wucht des Unvorgesehenen: Sie selbst sind eine Minderheitspartei, sie werden als eine solche vorgeführt, und weil niemand darüber mehr überrascht ist als die Grünen selbst, reagieren sie nicht mit Würde, Leidenschaft und Humor, sondern gekränkt und hilflos. Einem Menschen gleich, der mit plötzlichem Liebesentzug konfrontiert alles falsch macht, darunter das schlimmste: sich anbiedern. Unter den künstlichen Aufgeregtheiten der Mediendebatte sticht ein Mißverständnis hervor, das zunächst skurril wirkt, aber auf zweiten Blick durch seinen anti-demokratischen Furor bedrückt: Eine politische Forderung der Grünen gilt nur als akzeptabel, wenn sie mit der Zustimmung einer Wählermehrheit rechnen kann.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.