Ausgabe Januar 1999

Charlie im KZ

Das Kino hatte schon immer die Angewohnheit, Sachen zu zeigen, die im realen Leben nicht gehen, und wir hatten schon immer eine große Freude daran, uns für ein paar Stunden glauben machen zu lassen, daß sie doch gehen. Es sei unmöglich, so ein allgemeiner Konsens, den Holocaust künstlerisch darzustellen, und doch wurde es immer wieder versucht. Letztlich läßt sich wahrscheinlich die Legitimität solcher Produkte nicht aus einem abstrakten Authentizitätsideal ableiten, und es hat sich als Kriterium eher die Frage nach der Nützlichkeit oder Schädlichkeit bewährt. Das aber bringt es mit sich, daß nur vorübergehende Urteile möglich sind, daß die Zulässigkeit einer Holocaust-Darstellung nicht nur von ihren künstlerischen Qualitäten und ihrer ideologischen Korrektheit abhängt, sondern auch vom aktuellen Zustand der Öffentlichkeit, in die sie gelangt und in der sie wirken soll.

Roberto Benignis Film Das Leben ist schön ist künstlerisch perfekt und ideologisch korrekt: Guido, ein exzentrischer junger Mann, den wir schon aus vielen Filmen kennen, erobert sich mit viel Witz und unterhaltsamen Slapstick-Nummern das Mädchen Dora.

Januar 1999

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