Ausgabe April 1999

Modell Marokko

Noch bis vor kurzem galten die Monarchien der arabischen Welt als besonders wandlungsresistent. Westliche Beobachter gingen davon aus, daß Transformationsprozesse in den Ländern voranschreiten würden, die das demokratische Prozedere mehr als nur formal eingeführt hatten und den Menschenrechten eine gewisse Achtung versprachen. Wer in den 70er und 80er Jahren nach Demokratisierungsprozessen in der arabischen Welt suchte, der schaute eher nach Algerien oder Ägypten als nach Jordanien oder Marokko. Inzwischen haben sich diese beide Staaten jedoch als wesentlich reformbereiter erwiesen als ihre republikanischen Nachbarn. 1) Für viele Beobachter ist gerade Marokko der Testfall für einen friedlichen Transformationsprozeß im südlichen Mittelmeerraum geworden. Marokko hat in den vergangenen 15 Jahren wichtige Veränderungen erlebt.

Im Sommer 1994 wurden alle von Amnesty International benannten politischen Häftlinge freigelassen, das berüchtigte Gefängnis von Tazmamart dem Erdboden gleichgemacht. Allerdings gab das Regime keine Auskunft darüber, wo sich die ca. 500 Verschwundenen aus der Westsahara befinden. In den Medien darf man heute über Tazmamart sprechen. Vor 15 Jahren wäre das unmöglich gewesen.

April 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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