Ausgabe Juni 1999

Hoher Beschäftigungsstand - Ein realistisches Ziel?

An ihren Erfolgen oder Mißerfolgen beim Abbau der Massenarbeitslosigkeit will sich die rot-grüne Koalition messen lassen. Ein hoher Beschäftigungsstand sei keine Utopie "sondern ein realistisches Ziel, das mit einer problemorientierten Kombination wirtschaftspolitischer Aktivitäten Schritt für Schritt erreichbar ist." So steht es in der gemeinsamen Erklärung der Teilnehmer an der ersten Gesprächsrunde des Bündnis für Arbeit. 1) Wie realistisch sind die Chancen der Bundesregierung, diese selbstgestellte Aufgabe zu erfüllen? Die noch von den Vorgängern (im Wahlkampf) verkündete Wende am Arbeitsmarkt ist ausgeblieben. Haben sich inzwischen die wirtschaftlichen Bedingungen dafür verbessert? Die Zahl der abhängig Beschäftigten in Ost- und Westdeutschland hat sich seit 1991, dem ersten vollem Jahr nach der Vereinigung, erheblich vermindert (siehe Tabelle). Der drastische Rückgang in den neuen Ländern (1,5 Millionen Personen zwischen 1991 und 1998) erklärt sich hauptsächlich aus den Besonderheiten der Transformation. Bemerkenswert aber ist, daß es auch im Westen keinen Zuwachs gab, vielmehr sank hier die Zahl der Beschäftigten um 1,4 Millionen Personen.

Nur infolge des Vereinigungsbooms kam es 1992 im früheren Bundesgebiet zu einer (schwachen) Zunahme gegenüber dem Vorjahr, seither dominieren Abgänge.

Juni 1999

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.