In der Bundesrepublik Deutschland nimmt nur gut 1% der Männer Erziehungsurlaub in Anspruch, die Betreuung von Kleinkindern ist hierzulande noch überwiegend Frauensache. 1) Manche mögen dies für den Normal- oder gar Naturzustand halten, in anderen Ländern sind Männer in Familienfragen jedoch weitaus engagierter: In Schweden zum Beispiel nutzen sie immerhin rund zwölf Prozent der gesamten für den Elternurlaub zur Verfügung stehenden Zeit. In fast allen skandinavischen Ländern gibt es ausschließlich für Männer bestimmte Zeiträume des Elternurlaubs, die von diesen in Anspruch genommen werden müssen. Mit Einführung dieser verpflichtenden Väter-Quoten ist der Anteil derjenigen, die sie nutzen, etwa in Norwegen von 2% auf 70% angestiegen - und dies, obwohl die finanziellen Ersatzleistungen der Männer in diesem Land jeweils am Verdienst der Ehepartnerinnen, die überwiegend Teilzeitarbeit arbeiten, bemessen werden. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang, das Recht auf Elternurlaub - zur Zeit ein von der Mutter abgeleitetes Recht - als eigenständiges Recht des Vaters zu verankern und damit Vaterschaft auch formal aufzuwerten.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.