Ausgabe Februar 2001

Migration und Asyl im geteilten und vereinigten Deutschland

In der Geschichte von transnationaler Migration und staatlicher Migrationspolitik gab es im geteilten Deutschland unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Entwicklungen und Erfahrungen. Deshalb brachten die einander fremd gewordenen Deutschen in den Prozeß der Vereinigung auch unterschiedliche his gegensätzliche Erfahrungen im Umgang mit zugewanderten Fremden ein. Wir überblicken in zwei Längsschnitten zur Geschichte der Arbeitswanderung und zur Geschichte von Flucht und Asyl die Entwicklung im geteilten und im vereinigten Deutschland.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde das "Wirtschaftswunder" auf der Arbeitsmarktseite von drei großen Zuwanderungsschüben getragen: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zunächst ca. 12 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene in die drei westlichen Besatzungszonen geströmt. Nach der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 wanderten bis zum Bau der Mauer 1961 ca. 3,1 Millionen Deutsche von Ost- nach Westdeutschland (aber auch rund 400 000 in umgekehrter Richtung). Seit Mitte der 50er Jahre - nur zehn Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Zwangsarbeiterbeschäftigung - trat erneut Ausländerbeschäftigung in großem Umfang hinzu.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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