Ausgabe Mai 2001

Der aufhaltsame Wiederaufstieg des Silvio Berlusconi.

Italien vor der Wahl

Italien wählt am 13. Mai nicht einfach die eine oder die andere Regierungskoalition für die nächste Legislaturperiode, sondern entscheidet sich für oder gegen presidente Berlusconi. Auf diese "Schicksalsfrage" zielt dessen seit langem praktizierte Propagandastrategie, die prophezeit, jetzt komme der Tag der Abrechnung mit dem "Regime" der Linken, die Italien, nach seinen Worten, zugrunde gerichtet hat. Wie konnte es zu einem solchen Wiederaufstieg des politisch bereits einmal gescheiterten Forza Italia-Führers kommen? Das ist eine durchaus heikle Frage. Die Antwort kann nur mit dem unvermeidlichen Hinweis auf die spezifischen Verhältnisse Italiens beginnen, die in den 90er Jahren einen erstaunlich hohen Verflechtungsgrad der politischen und wirtschaftlichen Sphäre mit kriminellen Machenschaften offenbarten.

Diese - nicht nur in Italien feststellbare - Verflechtung hat hier zwar zu einem Zusammenbruch des traditionellen Parteiensystems geführt, aber weder zu einer nachhaltigen Delegitimierung der beklagten Praxis, noch zu einer radikalen politischen Erneuerung durch eine linke Opposition. Letztere übte sich seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus vor allem in Selbstkasteiung und beging mit der Auflösung ihrer stärksten Partei, der PCI, politischen Selbstmord.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.